Sie befinden sich hier: binoptpoint.de > Exklusiv > 

<< zurück
23.11.2016 13:06 Alter: 273 days
Autor: Martin Brosy

Ist die Konsolidierungsphase im Bereich der Wettanbieter beendet?


Sportwetten sind bereits seit einigen Jahren in aller Munde und erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Einem Bericht auf www.tagesspiegel.de aus dem Jahr 2014 zufolge lagen die Umsätze der Branche schon 2013 bei knapp 4 Milliarden Euro – und das allein in Deutschland. Natürlich ist dies auch für Anleger sehr interessant, da sich entsprechende Renditen erwirtschaften lassen. Doch mit dem Erfolg und Wettbewerb kommt schnell auch die Konsolidierung. Mittlerweile hat es bereits einige Übernahmen durch Konkurrenten im Sportwetten-Markt gegeben. Die interessante Frage dabei: Ist die Konsolidierung bereits abgeschlossen oder steht das echte Beben auf dem Markt erst noch bevor?

Sportwetten auf Tablet

Bild: Sportwetten werden hierzulande immer beliebter, Quelle: lucadp – 342701588 / Shutterstock.com

Ob BWIN, Sky Bet oder Tipico – allein in den letzten 24 Monaten hat es einige spektakuläre Umwälzungen durch Übernahmen im Bereich der Wettanbieter gegeben. Mit William Hill soll zudem der größte Buchmacher Großbritanniens übernommen werden. Der Markt für Sportwetten ist offensichtlich in Bewegung und befindet sich mitten in einer Konsolidierungsphase. Doch welche Gründe haben eigentlich zu den Übernahmen geführt und wie wird sich dieser Trend auf dem Markt fortsetzen?

Warum kam es zuletzt vermehrt zu Übernahmen?

Übergreifend lassen sich einige Faktoren ausmachen, die momentan für alle Anbieter von Sportwetten problematisch sein können:

1.    Rechtliche Lage

Auch wenn der deutsche Glücksspielstaatsvertrag in der Neufassung von 2012 Konzessionen für Sportwetten-Anbieter vorsieht, ist die Vergabe bisher an vielen rechtlichen Auseinandersetzungen gescheitert. Da die Anzahl der Lizenzen stark begrenzt werden soll, klagen Anbieter, die voraussichtlich keine Lizenz erhalten sollen. Somit befindet sich der gesamte Sportwetten-Markt in einer rechtlichen Grauzone. Ähnliche Probleme tummeln sich auch in anderen Ländern und Spielsparten. So hat Slowenien zum Beispiel angekündigt, den Online-Pokermarkt ab 2017 zu regulieren und Israel geht indirekt stärker gegen Online-Glücksspiel vor.

2.    Konkurrenzdruck

Die hohen Umsätze rufen immer mehr Buchmacher auf den Plan, am Online-Markt zu partizipieren. Während Konkurrenz für die Spieler stets gut ist, bringt es die Anbieter in Einzelfällen unter Druck. Auf dem Markt tummeln sich aktuell über 130 verschiedene Wettanbieter.

Darüber hinaus gibt es jedoch je nach Einzelfall auch ganz individuelle Faktoren, die Übernahmen oder den Einstieg eines Investors interessant gemacht haben. Dies soll nun anhand von zwei Beispielen aufgezeigt werden.

Beispiel BWIN.Party – nachlassende User-Zahlen und Verluste im Pokergeschäft

Vor der Veräußerung von BWIN.Party Entertainment an die GVC Holdings galt BWIN aus Österreich lange Zeit als Branchenprimus im Bereich der Sportwetten. Eine große User-Gemeinde sowie attraktive Quoten sicherten den Erfolg – doch dieser erhielt irgendwann zumindest leichte Risse. Portale wie www.wettanbieter.de geben dem Angebot von BWIN auch heute noch solide Bewertungen, allerdings schien BWIN den Anschluss an die besten Anbieter schon vor der Übernahme etwas verloren zu haben. Die Folgen waren zum Teil niederschmetternd:

Kennzahl

Wert

Umsatzentwicklung 2013 vs. 2014

Ca. – 7%

Verlust 1. Halbjahr 2014

94 Millionen Euro

Umsatz 2014

608-612 Mio. Euro (6 bis 22 Mio. unter den Erwartungen)

Tabelle 1: Geschäftsentwicklung von BWIN im Jahr 2014  

Die Zahlen waren zudem den sinkenden Margen im Bereich der Fußballwetten geschuldet, die wiederum aus unerwarteten Spielausgängen resultierten. Dazu kamen Verluste aus dem Pokergeschäft und ein Rückgang der durchschnittlichen Nutzer pro Tag um 11%. Das Unternehmen war also finanziell angeschlagen und eine Fusion sollte über Synergien und Kosteneinsparungen wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Übernahme der GVC Holdings mittelfristig auswirken wird.

Beispiel Tipico – frisches Kapital für die Expansionspläne

Tipico gilt in Deutschland schon seit längerem als die Nummer 1 unter den Anbietern für Sportwetten. Die größte Besonderheit liegt darin, dass Tipico sowohl online als auch in eigenen Stores für die Community der Spieler zur Verfügung steht. Darüber hinaus konnte die Werbung mit Sport-Ikone Oliver Kahn sowie das Sponsoring von namhaften Fußballclubs in Deutschland die Bekanntheit der Marke schnell steigern. Laut eines Bericht des Handelsblatts aus dem April 2016 verfolgten die bisherigen Eigentümer mit der Zustimmung der Mehrheitsbeteiligung (60%) durch die CVC Capital Partners vor allem Expansionsziele:

  • Angebotserweiterung: Es sollen weitere Sportarten mit ins Wettportfolio aufgenommen werden, welches vorher vor allem durch Fußball dominiert wurde.
  • Filialerneuerung: Das Filialnetz mit ca. 1.400 Wettshops (ca. 1.000 davon in Deutschland) soll einer Renovierung und Umgestaltung unterzogen werden. Somit könnten die Filialen noch attraktiver für die Tippgemeinde werden.

Die Suche nach einem Investor für das Unternehmen war also keinen schlechten Geschäftszahlen geschuldet, sondern sollte das Geschäft forcieren. Allerdings scheint auch die bisher unsichere rechtliche Lage auf dem deutschen Markt eine durchaus wichtige Rolle gespielt zu haben.

Ist die Konsolidierung damit abgeschlossen?

Da es aktuell nach wie vor zahlreiche Anbieter für Sportwetten gibt, lässt sich noch nicht von einem Ende der Konsolidierungsphase sprechen. Die folgende Tabelle zeigt Berichte über bevorstehende, beabsichtigte oder bereits vollzogene Fusionen im Bereich der Wettanbieter genauer auf:

Anbieter

Status

Quelle

Ladbrokes & Gala Coral

Die Fusion im britischen Wettmarkt ist bereits vollzogen.

Racingpost.com

 

William Hill

Der größte Buchmacher im vereinigten Königreich (Börsenwert: 3,1 Mrd. Euro) wird von der Rank Group PLC (941 Mio. Euro) und der 888 Goldings PLC umworben. Die Übernahme dürfte jedoch gescheitert sein.

Finanztreff.de

 

Betfair & Paddy Power

Die Fusion zum neuen Marktführer in Großbritannien ist bereits vollzogen. Das neue Unternehmen Paddy Power Betfair weist einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr auf.

Handelsblatt.com

Tabelle 2: Meldungen über Fusionen im Bereich der Wettanbieter

Es bleibt also spannend auf dem Markt für Sportwetten und Glücksspiele. Sollte noch ein anderer Marktteilnehmer eine vielleicht sogar erfolgreiche Übernahme von William Hill anstreben, könnte dies die Machtverhältnisse abermals deutlich verändern.

Infografik Sportwetten-Umsätze

Infografik: Umsätze auf deutschen Sportwettenmarkt (2016= Schätzung), Quelle: Binoptpoint, Statista, Goldmedia

Fazit

Fusionen und Übernahmen gibt es in jeder Branche – doch zuletzt waren Wettanbieter wirklich häufig betroffen. Mit den Online-Sportwetten ist in wenigen Jahren ein Markt gewachsen, der Veränderungen forciert und nun dafür sorgt, dass einige Großanbieter ihren Kostendruck minimieren, um im Wettbewerb zu bestehen. Schärfere Regulierungen und eine höhere Besteuerung sorgen zusätzlich dafür, dass die Wettanbieter Synergien nutzen müssen, die bei Fusionen entstehen. Nun bleibt abzuwarten, welche der neuen großen Player es in einigen Jahren noch geben wird.

Quelle: lucadp – 342701588 / Shutterstock.com

IN EIGENER SACHE: Das neue Börsenmagazin DAS WACHSTUM erscheint bald. Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

Über den Autor (*)

Martin Brosy

Martin Brosy
Boersenpoint

Martin Brosy betreibt die Börsenplattform und das Börsenspiel www.boersenpoint.de . Mit dem Beginn seines BWL-Studiums 2009 fing Herr Brosy damit an Aktien und Devisen erfolgreich zu traden.
Als Chefredakteur von Boersenpoint veröffentlicht er täglich seine Gedanken zu interessanten Aktien und komplexen Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

<< zurück