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Leerverkäufe (Short-Selling)

Wie kann man eigentlich etwas verkaufen, das einem nicht gehört und somit dem Käufer ein Versprechen dafür geben, ihm etwas zu liefern, das man erst selber in den eigenen Besitz bringen muss? Im Bereich des Wertpapierhandels gibt es tatsächlich eine solche Strategie. Sie nennt sich Leerverkauf, oder im Englischen auch Short-Selling. Dieses Prinzip basiert darauf, dass man Wertpapiere über die Börse verkauft, obwohl man in diesem Moment noch gar nicht selber in Besitz dieser Wertpapiere ist. Innerhalb eines bestimmten Zeitraums, der je nach Börse variiert, ist man dazu verpflichtet, die Aktien an den Käufer nachzuliefern.

Sinn hinter der Sache ist es, als Verkäufer von den fallenden Kursen des Wertpapiers zu profitieren und diese deshalb zu einem günstigeren Preis zu kaufen, als man sie zuvor verkauft hat. Wenn die Kurse hingegen gestiegen sind, so macht natürlich der Verkäufer Verluste. Man muss diese innerhalb der vorgegebenen Zeitspanne erwerben und an den Käufer weitergeben. Meist springt für den Verkäufer dabei jedoch ein rentabler Gewinn heraus. Die Fristen sind relativ kurz und bewegen sich je nach Börse zwischen mehreren Tagen. An der Frankfurter Börse sind es zum Beispiel drei Tage, am London Stock Exchange dafür schon fünf. Möglich gemacht werden Leerverkäufe von Wertpapieren nur dadurch, dass man beim Handel mit diesen nicht zu einer sofortigen Lieferung verpflichtet ist.

In den meisten Fällen verfügen die Verkäufer gar nicht komplett über das eingesetzte Kapital, sondern hinterlegen nur eine Deckungssumme. Viele leihen sich die Aktien von einem Broker und zahlen ihm eine Leihgebühr, die dann dem tatsächlich eingesetzten Kapital entspricht. Das Konzept der Leerverkäufe kann für den Verkäufer zu einem äußerst lukrativen Geschäft werden. Wenn man sich verspekuliert, ist es jedoch auch höchst risikoreich und kann zu hohen Verlusten führen. In der Regel liegt das Risiko in normalen Börsenzeiten etwas unter 1:1, denn die Kurse fallen meist volatiler als dass sie steigen.

Leerverkäufe sind nicht überall gestattet. Auch in Deutschland gibt es gesetzliche Rahmenbedingungen, die zum Beispiel die Spekulation in Form von Leerverkäufen untersagen. Außerdem hat die BaFin die Möglichkeit, Leerverkäufe in inländische Aktien dann zu untersagen, wenn erhebliche Marktstörungen drohen. In den USA gibt es eine spezielle Regelung, die sich auf das Naked Short Selling bezieht, also das Prinzip, wenn ein Verkäufer bereits Wertpapiere verkauft, obwohl er nicht über das eingesetzte Kapital verfügt. Die Leerverkäufe von Finanzwerten wurden in Deutschland, Großbritannien, den USA, Frankreich, Australien, Kanada, Portugal, Irland, Taiwan und in Österreich während der Finanzkrise, die 2007 begann, verboten oder eingeschränkt. Auch während der noch kürzlich wütenden Eurokrise wurden zeitweilig Leerverkäufe in Frankreich und Italien verboten.

Ein aktuelles Beispiel ist Griechenland. Hier herrschte bis vor kurzem ein anderthalb Jahre andauerndes Verbot von Aktien-Leerverkäufen. Ende Januar wurde dieses wieder aufgehoben, wobei das Verbot für Anteilsscheine von Banken bis Ende April weiter gilt. Das Verbot war immer wieder verlängert worden, da man Leerverkäufe für extreme Kursschwankungen verantwortlich machte. Allgemein ist der Handel mit Leerverkäufen aber wohl nicht so schnell komplett zu verbieten. Seine Geschichte reicht immerhin schon bis ins 17. Jahrhundert zurück, wobei es auch damals schon nach nur wenigen Monaten zum ersten Verbot kam.

Autor: Martin Brosy