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Binäre Optionen: Empfehlung

 

Candlesticks

Der Handel mit binären Optionen ist zwar relativ einfach, da es nur darum geht auf einen fallenden oder steigenden Kurs zum Ablauf der Option zu wetten, aber trotzdem sollten gerade Anfänger mit einer gewissen Ernsthaftigkeit an die Sache herangehen. Der Umgang mit den Candlestick-Charts gehört zu den Grund-Voraussetzungen, bevor man mit echtem Geld beginnt binäre Optionen zu handeln. An dieser Stelle möchte ich nochmal explizit darauf hinweisen, dass der Handel mit diesem Finanzderivate große Risiken in sich birgt und der Totalverlust möglich ist.

Aufbau und Informationsgehalt eines Candlestick-Charts

Die meisten Trader kennen den typischen Linienchart, doch die Nachteile dieser Darstellungsform liegen auf der Hand und sind nicht wegzudiskutieren. Ein Linienchart gibt dem Chartisten keine Auskunft über den Eröffnungs- oder Schlusskurs. Außerdem sind Hoch und Tiefpunkte in einer Periode nicht erkennbar. Aus diesem Grund kann ich es nur jedem Händler von binären Optionen empfehlen, dass er sich mit dieser Form der Visualisierung vertraut macht.

Bei einem Kurs gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder notiert der Schlusskurs oberhalb des Eröffnungskurses oder der Schlusskurs liegt unterhalb des Eröffnungskurses. Im ersten Fall wird die Kerze weiß ausgefüllt. Der Markt war in dieser Periode bullisch. In der zweiten Variante war die Stimmung bärisch, denn der Kurs verlor im Laufe des Handelstages an Wert. In diesem Fall wird die Kerze schwarz oder mit einer anderen Farbe ausgefüllt. Die Markierung vom Open und Close wird als Körper bezeichnet. Eine Sonderform bildet der Doji, denn er besitzt keinen Kerzenkörper, weil der Kurs auf dem Niveau geschlossen, wo er eröffnet hat.

Abgesehen von der Marktstimmung sagt uns die Kerze auch noch etwas über die Nervosität der Marktteilnehmer aus. Bitte beachten Sie, dass die Käufer oder Verkäufer einer Binären-Option keinen Einfluss auf die Kursbildung des Underlyings (zum Beispiel Silber) haben. Die Kurse orientieren sich am Angebot und der Nachfrage des Basiswertes an den jeweiligen Börsen. Bei Binären Optionen handeln Sie ausschließlich gegen den Broker selbst. Folglich kann nicht gesagt werden, dass eine Kerze mit einer großen Spanne auf die Unentschlossenheit der Käufer und Verkäufer binärer Optionen hindeutet. Der Kurs wird zwar vom Broker ermittelt, orientiert sich aber logischerweise am echten Kurs und dieser wird unabhängig von den Händlern mit Optionen getaxt. Die Linie oberhalb und unterhalb des Körpers wird als Schatten oder Docht bezeichnet. Das obere Ende des Schattens markiert den Höchstkurs der Periode und das untere Ende des Schattens stellt den Tiefstkurs dar. Besitzt die Kerze zum Beispiel einen langen unteren und einen kleinen oberen Schatten, dann kann man davon ausgehen, dass innerhalb der Periode der Verkaufsdruck größer wurde, aber schlussendlich siegten die Bullen und der Kurs stieg wieder an. Eine solche Kerze nennt man Hammer.

Geschichte der Candlestick-Muster

Im 17. Jahrhundert fand in Japan überwiegend Tauschhandel statt und das Hauptnahrungsmittel war Reis. Die Behörden akzeptierten sogar Reis als Zahlungsmittel für offene Steuerforderungen. Während der Binnenmarkt und die Landwirtschaft erstarkten, benötigten die Feudalherren Geld und akzeptierten fortan auch Schuldscheine. Ein Schuldschein oder Terminkontrakt funktioniert wie folgt: Ein Reisbauer verkauft zum Beispiel einen Ballen Reis, welchen er erst nächstes Jahr erntet an einen Käufer zu einem festen Preis. Wenn dann binnen einen Jahres die Ernte schlecht war, weil es ein Unwetter gab, dann steigt für jeden, der keinen Schuldschein hat der Preis für einen Ballen Reis. Der Besitzer des Schuldscheins macht in diesem Fall einen Gewinn, denn er muss nicht den marktüblichen Preis bezahlen. Der Verkäufer des Schuldscheins macht einen Verlust, da er seinen Reis nun teurer verkaufen könnte. Trotzdem hat dieser Deal für den Verkäufer oder Bauern einen Vorteil, denn er kann seinen Reis auf mehrere Jahre verkaufen und erhält dafür schon vorab eine Menge Geld. Dieses Geld kann er für Investitionen oder ähnliches nutzen. Dojima (sprich Cho-Ai-Mai) avancierte Mitte des 18. Jahrhunderts zur weltweit ersten Terminbörse, noch vor Amsterdam, London oder New York. Der Siegeszug des Terminmarktes war nicht aufzuhalten, denn bereits 1749 waren von 100.000 gehandelten Reisballen nur 30.000 wirklich vorhanden. Der Rest wurde auf Termin verkauft und gekauft.

In dieser Zeit lebte Homma Muneshisa, welcher von seinem Vater große Reisfelder im Nordwesten Japans geerbt hatte.  Als er im Alter von 36 Jahren die Felder übernimmt verschlägt es ihn nach Osaka und dort beginnt er auch damit mit Terminkontrakten zu spekulieren. Als Insider des Reishandels studierte er historische Preisdaten und entwickelte die Darstellungsform der Candlesticks. Er versuchte Muster im Chart zu finden und den Preis vorauszusagen. Nach intensiven Studium der Preisdaten kaufte Homma eines Tages am Terminmarkt den ganzen Reis auf. Zeitzeugen berichteten, dass er dabei immer auf einen Zettel schaute, wo kerzenähnliche Symbole abgebildet waren. Vier Tage später erreichte die Börse eine Nachricht, dass es ein Unwetter gab und die Ernte gefährdet sei. Der Preis für Reis stieg ins unermessliche und Homma machte ein Vermögen. Schließlich wurde er der reichste Mann in Japans und in den Adelsstand erhoben. Fortan beriet er die japanische Regierung in Finanzfragen. Homma brachte dieser Trade den Beinamen „Gott der Märkte“ ein. In Europa wurden die Candlestick-Charts erst 200 Jahre später publik und seitdem erfreuen sie sich größter Beliebtheit.

Welche Candlestick-Formation gibt es?

Insgesamt gibt es über vierzig verschiedene Candlestick-Formationen, welche Aufschluss über die zukünftige Entwicklung der binären Option und des Underlyings, zum Beispiel dem DAX  oder Rohöl geben können. Damit Sie objektiv entscheiden können, um welche Formation es sich handelt, müssen Sie die Voraussetzungen für jedes einzelne Muster kennen. Candlestick-Patterns lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Einfache und komplexe Formationen. Beginnen möchte ich mit den simplen Candlestickformationen. Im Gegensatz zu den komplexen Mustern, bestehen die einfachen Formationen lediglich aus einer Kerze. Den Anfang macht der Hammer.

Der Hammer

Im japanischen nennt man den Hammer auch „kanazuchi“ oder „tonkachi“. Das Muster gehört zu den beliebtesten Formationen überhaupt, denn als Trader erkennt man ihn relativ leicht und die Aussagekraft ist auch recht gut. Der Hammer gehört zu den Umkehrsignalen und tritt in Abwärtstrends auf. Wie das Werkzeug hämmert sich der Hammer sprichwörtlich in den Abwärtstrend rein. Ein kurzer oberer Schatten und ein langer unterer Schatten sind charakteristisch für den Hammer.

Steve Palmquist untersuchte in seinem Buch „Money-Making Candlestick Patterns“ die obere Schattenlänge des Hammers und kam zu interessanten Ergebnissen. Er konnte widerlegen, dass ein Hammer nicht an Aussagekraft gewinnt, wenn er keinen oberen Schatten besitzt. In zwei Zeiträumen untersuchte er 2.200 Aktien mit einem Mindestvolumen von täglich 200.000 Anteilen. Das Ergebnis des Backtests war überraschend, denn der Hammer perfomt am Besten, wenn der obere Schatten prozentual maximal 20 Prozent der gesamten Kerzenlänge einnimmt. Mindestens sollte der obere Schatten jedoch vier Prozent der Kerzenlänge betragen.

Im nächsten Schritt untersuchte Palmquist den kausalen Zusammenhang zwischen der Performance und der Farbe des Hammers. Erfahrungsgemäß stufen Händler einen weißen Hammer als besser ein, denn dies ist das erste Zeichen für einen bald einsetzenden Bullenmarkt. Diese Annahme widerlegte Palmquist ebenfalls in dem bereits genannten Buch.

Thomas N. Bulkowski beschäftigte sich in seinem Buch „Encyclopedia of Candlestick Charts“ ebenfalls mit dem Hammer und führte einen umfangreichen Backtest im Zeitraum von zehn Jahren durch. Die Datenbasis bildeten die 500 Unternehmen aus dem S&P 500. Die Periode vom 24.03.2000 bis 10.10.2002 klassifizierte der ehemalige Ingenieur als Bärenmarkt. Der Rest wurde als Bullenmarkt identifiziert.

Im Bärenmarkt erreichten die Hammer die beste Performance. Während der S&P500 nach dem Ausbruch nach oben um 0,75 Prozent anstieg, konnte das Underlying mit dem Hammer 9,44 Prozent zu legen. Im Median wurde das Hoch des einsetzenden Aufwärtstrends nach acht Tagen erreicht. Im ersten Jahresdrittel performte die Formation mit 12,12 Prozent deutlich besser als in den anderen beiden Dritteln.

Eine nahezu garantierte Umkehr des Trends im übergeordneten Bullenmarkt findet statt, wenn der Schlusskurs der Folgekerze oberhalb des Schlusskurses des Hammers notiert. Die Trendumkehr wird so am besten bestätigt. Bulkowski kam zum gleichen Ergebnis, was die Farbe eines Hammers angeht. Im Bullenmarkt performten weiße Hammer und im Bärenmarkt schwarze Hammer am besten.

Der Morning-Star

Die Bezeichnung „Morning Star“ lässt sich von der Information, welche dieses Muster überträgt ableiten. Ins deutsche kann man den Morning Star mit „Morgenstern“ übersetzen. Wie in bestimmten Monaten die Venus leitet der Morning Star eine Wende ein, zwar nicht von der Nacht zum Tag, aber dafür vom Abwärtstrend zum Aufwärtstrend. Anders als der Hammer zählt dieses Muster nicht zu den simplen Formationen. Insgesamt besteht der Star-Pattern aus drei Kerzen und wird deshalb als komplexes Muster eingestuft.

Als erstes muss in einem Abwärtstrend eine lange schwarze Kerze auftreten. Die Bären sind sich einig: Der Abwärtstrend ist nicht zu stoppen und der Verkaufsdruck nimmt zu. Die nächste Kerze eröffnet mit einem Abwärtsgap und damit wird die Stimmung am Markt nochmal schlechter. Die sich nun bildende zweite Kerze besitzt nur einen kleinen Körper, einen langen unteren Schatten und keinen bis nur sehr kleinen oberen Schatten. Bei dieser Kerze handelt es sich um den eigentlichen Stern. Die letzte Candle der Formation eröffnet mit einem Aufwärtsgap und an diesem Punkt ist klar: Die Bären sind besiegt und die Bullen übernehmen das Zepter. Die Farbe der dritten Kerze ist weiß und der Schlusskurs muss oberhalb der Mitte der ersten schwarzen Kerze notieren. Die Literatur ist sich bezüglich der beiden Kurslücken uneinig, denn manche Trader halten diese für zwingend notwendig und andere meinen, dass man die Gaps ruhig vernachlässigen kann.

Bulkowski bewertete ebenfalls den Morning-Star nach unterschiedlichen Performance-Kriterien. Im Zeitraum von zehn Jahren konnte er 1.192 Morning-Stars ausfindig machen. Davon traten 686 im Bullenmarkt auf. Die beste Performance wurde im Bärenmarkt erreicht. Aus der Statistik geht hervor, dass der Ausbruch nach oben kürzer dauerte, als der Ausbruch nach unten. Das liegt daran, dass die letzte Kerze schon sehr nahe am Hoch der Formation notiert, dessen Überwindung Bulkowski als Ausbruchszeitpunkt postulierte.

Eine wahrscheinliche Trendumkehr leitet der Morning-Star ein, wenn der Schlusskurs der Folgekerze oberhalb des Schlusskurses der letzten Kerze der Formation notiert. Wie wir noch sehen werden, ist das bei fast jedem Candlestickmuster der Fall.

Der Evening-Star

Im Gegensatz zum Morgen-Stern leitet der Evening-Star nicht einen Aufwärtstrend, sondern einen Abwärtstrend ein. Astronomisch leiten je nach Zyklus der Merkur oder die Venus die Nacht ein. Wie schon das Pendent besteht der Abendstern aus insgesamt drei Kerzen.

Als erstes muss im Aufwärtstrend eine große weiße Kerze auftreten. Die Bullen sind fest davon überzeugt, dass der Aufwärtstrend weiter anhält und der Basiswert (z.B. Gold)immer neue Hochs erreicht. Gestützt wird diese Annahme durch das Aufwärtsgap in der nächsten Periode. Die Farbe der zweiten Kerze ist egal. Wichtig ist, dass der obere Schatten lang und der Körper schmal ist. Die dritte Kerze eröffnet mit einem Down-Gap und im Verlaufe der Periode sinkt der Kurs des Underlyings weiter. Der Kurs der letzten Kerze muss unterhalb der Mitte der ersten Kerze des Patterns schließen. Wie auch schon beim Morning-Star muss man als Händler mit Binären Optionen selbst entscheiden, ob man selbst Wert auf die Kurslücken legt. Es ist jedem Trader anzuraten, ein Chartprogramm zur Analyse des Basiswertes zu nutzen. Die Anbieter von Binären Optionen stellen dem Händler meistens nur Liniencharts zur Verfügung.

Thomas Bulkowski untersuchte insgesamt 903 Evening-Stars und fand heraus, dass in einem Bärenmarkt die beste Performance erreicht wurde. Ein Break-Out nach unten gelingt schneller, da der Kurs der Folgeperiode immer näher am Tiefstkurs des Evening-Stars liegt.

Die Umkehrrate wurde auch untersucht und wie schon bei den zuvor besprochenen Mustern, stellt der Schlusskurs das beste Indiz zur Trendumkehr dar. An dieser Stelle möchte ich aber erneut darauf hinweisen, dass die Trendumkehr keine Auskunft über die Performance gibt.

Der Shooting-Star

Im Mittelalter konnte das Auftreten einer Sternschnuppe Schlachten absagen, denn es wurde als schlechtes Omen interpretiert. Der Shooting-Star bringt kein Unheil über den Feudalherren, dafür aber über den Trader. Das Muster tritt folglich am Ende eines Aufwärtstrends auf und leitet wie der Evening-Star einen Abwärtstrend ein.

Bei dem Shooting-Star gibt es zwei Varianten: Die erste Variante besteht nur aus einer Kerze und die zweite Variante wird aus zwei Kerzen konstruiert. Der eigentliche Shooting-Star sieht bei beiden Varianten gleich aus. Der Kerzenkörper muss klein und der obere Schatten mindestens doppelt so lang wie der Körper sein. Im Idealfall besitzt der Shooting-Star keinen unteren Schatten. Die Formation gewinnt an Bedeutung, wenn zuvor eine lange weiße Kerze gebildet wurde und der Star mit einem Aufwärtsgap eröffnet. Das Aufwärtsgap ist aber nicht zwingend notwendig.

Im Backtesting-Zeitraum von zehn Jahren machte Bulkowski 6.424 Shooting-Stars ausfindig. Die beste Performance wurde dabei von Januar bis April erzielt.

Notierte der Schlusskurs der Folgekerze unterhalb des Shooting-Stars, war dass das beste Zeichen für eine einsetzende Trendumkehr.

Diese Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Autor: Martin Brosy